08 Februar 2021

So sind sie, die Bullen, und nicht anders

St. Paulianer halten sich selbst gerne für ein wenig besser als den Rest der Stadt. Für politischer, reflektierter, empathischer, toleranter. Vielleicht stimmt das tendenziell sogar. Vor peinlichen Pauschalurteilen mancher Stadtteilbevölkerer schützt uns das trotzdem nicht.

Als neulich in der Bernhard-Nocht-Straße – sie liegt direkt oberhalb der für die jüngere Stadtgeschichte so berühmten wie berüchtigten Hafenstraße – ein Haus abgerissen wurde, kam eine unbefleckte Fassade zum Vorschein, die somit zum alsbaldigen Beflecken einlud. Kurz darauf landete der auf dem Foto dokumentierte Satz auf der Wand, für den ich mich als St. Paulianer nicht wenig fremdschäme.

Denn intellektuell bewegt sich diese Behauptung leider auf dem tiefergelegten Niveau von „Männer sind Vergewaltiger“, „Frauen können nicht einparken“ oder „Schwarze schnackseln gern“.

Aber nehmen wir einmal für einen Moment lang an, es wäre wirklich so: Welche Bedingungen müssten gelten, damit dieser Satz wahr wäre und bliebe? Die einzige Chance bestünde wohl darin, bereits bei der Bewerberauswahl zur Polizeiausbildung sicherzustellen, dass all jene systematisch ausgesiebt würden, die keine Rassisten sind.

Beim Einstellungsgespräch wäre also eine entsprechende Abfrage unabdingbar. Nach dem Motto: Eine Frage noch, ganz, ganz wichtig: Sind Sie Rassist? Ach, echt nicht? Tja, dann können wir Sie leider nicht gebrauchen, denn Sie haben es vielleicht übersehen, aber Bullen sind Rassisten.

Schon ein einziger Polizeischüler, der nichtrassistisch ist und trotzdem eingestellt worden wäre, würde die hier dokumentierte Fassadenbefleckung glorios widerlegen. Schon ein einziger Schwarzer, der weniger gern schnackselt, würde das Pauschalurteil der hautfarbenabhängigen Promiskuität ad absurdum führen. Eine einzige Frau, die einparken kann … Und so weiter.

Natürlich gibt es Bullen, die Rassisten sind. Genauso wie es linke Antisemiten gibt. Oder auf dem Kiez beheimatete Wandbeflecker, die sich intellektuell auf dem Niveau von Mario Barth bewegen – was zwar bedauernswert ist, aber nicht schlimm wäre, solange sie nicht dummerweise den Drang verspürten, die ganze Welt an ihrem Defekt teilhaben zu lassen.

Na ja, gut, dass dort in der Bernhard-Nocht-Straße bald ein neues Haus hochgezogen wird.





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