29 Juni 2013

Pest und Cholera

Noch nie war der Kiez derart vollgepflastert mit Dixiklos wie seit heute Morgen – eine verzweifelte Maßnahme gegen die dank Schlagermove stets explodierende Zahl der Wildpinkler, die unseren Stadtteil jährlich in eine noch größere Kloake verwandeln als sowieso üblich.

Der Effekt ist denn auch sofort deutlich spürbar: Die Hossahamas muss dank der von den Dixiklos verstellten Flächen deutlich länger suchen, bis sie eine freie Hauswand oder Einfahrt zum Wildbepinkeln gefunden hat. Schafft sie aber dann doch (siehe Foto). Denn auch nach der Inhalation von „Blau, blau, blau blüht der Enzian“ scheint das Resthirn dieser Schunkeldschihadisten zumindest die elementaren Körperfunktionen noch so steuern zu können, dass ihre öffentliche Sichtbarkeit sichergestellt ist.

Mit Ms. Columbo diskutiere ich, was weniger schlimmer für St. Pauli ist: Harley Days oder Schlagermove. Wer verliert, muss die Veranstaltung für nächstes Jahr absagen. Oder sagen wir bis 2030. Um das wissenschaftlich sauber zu ermitteln, arbeiten wir gemeinsam eine Liste ab.

Pinkeltechnisch ist die Sache schon mal klar: Hier punkten die Harleyhirnis. Anscheinend suchen sie bei aufkommender Notdurft entweder wirklich öffentliche Toiletten auf, oder sie tragen ordnungsgemäß Urinale unter der Kluft. Denkbar ist auch wasserdichtes Schuhwerk; das würde jedenfalls erklären, warum viele Mitglieder dieser Hubraumhisbollah ihre Lederhosen in die Stiefel stecken.

Jedenfalls gehen die Zweiradzombies erst mal 1:0 in Führung. Olfaktorisch allerdings kacken sie schwer ab. Klar, die Kornfeldkamarilla beginnt zwar im Verlauf der Veranstaltung immer unerträglicher zu müffeln, doch die Bikes haben einfach den erheblich größeren Dunstkreis. Zwischenstand also 1:1.

Kommen wir zur Schallentwicklung. Was ist nervenzerrüttender, fragen wir uns: der kakofonische 170-db-Dauerpegel der „Schmidtchen Schleicher“-Schnulzensalafisten oder das rhythmische Brüllen der Motorradmarodeure? Schweren Herzens muss ich zugeben: Letzteres. Und das bedeutet die vorläufige 2:1-Führung für die „Anita“-Al-Kaida.

Letzter Punkt unserer Liste: die Ästhetik. Die „Mendocino“-Amöben setzten auf grüne Polyesterperücken, Sonnenbrillen in Herzchenform und bis in den Schritt ihrer pinken Schlaghosen hinunterlappende Plastikblumenhalsketten, während die ergrauten PS-Pestbeulen auf den Liebreiz von Jeansjackentattoos und meterbreiten Nietengürteln über den Frührentnerwampen vertrauen. Und damit fügen die Auspuffpissnelken den Augen unschuldiger Opfer doch etwas weniger Schaden zu als die „Guildo hat euch lieb“-Guerilla.

Das Ergebnis ist also ein klares 2:2. Was laut selbsterlassenem Regelwerk bedeutet: Wir müssen bis auf weiteres beide Veranstaltungen ausfallen lassen. Tja.

Kommentare:

  1. Anonym23:35

    Das ist sehr bedauerlich, trifft sich aber gut: Denn nächstes Jahr sollten laut Abendblatt Harley-Days und Schlagermove tatsächlich auf einen Termin fallen, quasi Weihnachten und Geburtstag zusammen. Sowohl die Auspuff-Asis als auch die Schlägerbande waren darüber natürlich sehr empört, denn beide zog es ja nach St. Pauli, nun muss man kucken, was sich terminlich noch machen lässt. Ich würde es aber begrüßen, und sogar Kreuzfahrt- und Biertag auch noch hinzulegen: Der Harley-Davidson-Schlager-und-Bier-Kreuzfahrt-Tag. Ein Mega-Event, mit dem Hamburg allein auf der Welt steht und neidvolle Blicke erntet. Und den dann eben ausfallen lassen.

    AntwortenLöschen
  2. Das ist der sinnvollste Vorschlag, den ich je in meinem Leben gehört habe.

    AntwortenLöschen
  3. Olaf HH04:27

    Kann man den Hafengeburtstag, den Marathon, das Radrennen, den Ironman für Arme (Alster), das Alstervergnügen, die "Harley-Days", den Schlagermuhf, den Harley-Davidson-Schlager-und-Bier-Kreuzfahrt-Tag etc. nicht einfach einmal alle auf denselben Tag legen ? Wir Hamburger machen genau dann alle einen Wochenendurlaub und schwupps ! ist der ganze Spaßhallas des Jahres schon weitgehend abgearbeitet.
    Am besten bietet man den Teilnehmern am Harley-Davidson-Schlager-und-Bier-Kreuzfahrt-Tag noch Pflichtzusatzprogramme, d. h. erst a.k.t.i.v.e Teilnahme am Fahrradrennen (06.00 bis 10:00 Uhr), dann folgt der Marathon (10:30 bis 14:00 Uhr). Und im Anschluß von 14:30 bis 18:00 Uhr natürlich noch der Ironman für Arme (Alster), erst dann wird der Harley-Davidson-Schlager-und-Bier-Kreuzfahrt-Tag um 19:00 Uhr im Lichte des Hafengeburtstags feierlich mit "Prost, Ihr Säcke ! Prost, Du Sack !" oder so eröffnet.
    Wahrscheinlich kommt dann keiner mehr, wohl nur noch die Mülle und zieht etwas früher als sonst wieder ab.

    AntwortenLöschen
  4. Vielleicht ist dieser Vorschlag sogar noch sinnvoller als der des Anonymus von 23:35 Uhr.

    AntwortenLöschen
  5. diva6812:49

    ... und ich wundere mich, warum ich Sie am Samstagabend nicht in der Laeiszhalle angetroffen habe. Sie paparazzierten offenbar lieber die Pipi-Prinzen und -Prinzessinnen der Roland-Kaiser-RAF, als dass Sie einer Rock`n`Roll-Hall-Of-Fame-Koryphäe huldigten. Tze.

    AntwortenLöschen
  6. Ach, ich bin inzwischen so saturiert, dass ich höchstens noch wegen Künstlern der Kategorie Neil Young das Haus verlasse.

    AntwortenLöschen
  7. Anonym19:23

    Sie Weichei ^^

    AntwortenLöschen
  8. Ich bin halt zartgesotten.

    AntwortenLöschen
  9. diva6819:47

    Schade. Ich hätte mich gefreut, mit Ihnen und Peter Urban ein bisschen zu plaudern.

    AntwortenLöschen
  10. Was sind Mendocino-Amöben?

    AntwortenLöschen
  11. Menschen mit der Hirnleistung von Amöben, die „Mendocino“ grölen, während sie ihre Schwengel schwingen und damit die Rabatten wässern. (Da hätten Sie auch selbst drauf kommen können!)

    AntwortenLöschen
  12. Anonym22:38

    als Bewohnerin einer Wohnung Wohlwill-/Ecke Thadenstraße bitte ich dringend um die Aufnahme der "Dom-Tage" in die Sammelliste der auszufallenden Events..
    Exkremente jeglicher Art im Hauseingang sind gruselige Normalität...

    Verbundene Grüße

    AntwortenLöschen