26 September 2021

Kant und Gammelfleisch

Was ich heute Morgen in meinem Fahrradkorb vorfand (und vor Ärger und Abscheu leider vergaß zu fotografieren), war folgendes Ensemble an Dingen, die dort keinesfalls hingehören: 

– eine Edeka-Broschüre
– eine Burgerverpackung aus Styropor (leer)
– eine zusammengeknüllte graubraune Papierserviette (stark gebraucht)
– ein mit Basmatireis beflocktes handtellergroßes Stück Gammelfleisch, augenscheinlich Lamm, sowie
– einen abgelutschten Eis-am-Stiel-Stiel mit halb eingetrockneten Vanillespuren.

Ganz abgesehen davon, dass diese Kollektion keineswegs auf einen kulinarisch verfeinerten Geschmack ihres Schöpfers hindeutet: Allem Anschein nach vermochte dieser auch im entscheidenden Moment nicht mehr den kategorischen Imperativ Immanuel Kants zu memorieren, der ihm anderenfalls in den Arm gefallen wäre mit der Erwägung, etwas am besten dann nicht zu tun, sofern es – wenn es alle täten – die Welt nicht zu einem besseren Ort machen würde.

Also hieß es vorm Brötchenholen erst mal spitzfingrig sauber machen. Was jetzt noch auf dem Drahtgittergeflecht des Fahrradkorbs verblieben ist, sind schwer zu entfernende Reisreste. Diesbezüglich hoffe ich auf unsere verlässlichen Kumpel, die Mikroorganismen, welche in den nächsten Wochen (wahrscheinlich eher Monaten) doch bitte segensreich wirken mögen, danke vorab.

Ich befürchte allerdings, auch im kommenden Frühjahr dort im Korb noch Spuren von Reiskörnern vorzufinden. Und alles nur, weil irgendein Absolvent des gerade zu Ende gegangenen Reeperbahnfestivals im entscheidenden Moment ausnahmsweise mal nicht an Kant gedacht hat.

Aber beim nächsten Mal wieder, da bin ich mir sehr, sehr sicher.

PS: Das Foto zeigt den Eingang der S-Bahnstation Reeperbahn, und zwar deshalb, weil ich, wie gesagt, den kontaminierten Fahrradkorb aus Ärger und Abscheu zu fotografieren vergaß.



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