15 August 2013

Franke ahoi!

Unglaublich, aber wahr: Der Franke – haha, halten Sie sich bitte gut fest! –, hat den Segelschein gemacht. Den Segelschein! Original aufm Wasser! 

Ich weiß, das ist ungefähr so, als bewürbe sich ein Usbeke ums Jodeldiplom. Doch dem im Schatten des Josefspitals aufgewachsenen Naturburschen kam sein Ansinnen komischerweise überhaupt nicht komisch vor.  

Als Folge desselben nervte er uns monatelang – und zwar mittags mit unvermittelt heruntergemurmelten Knotenknüpftechniken, nachmittags mit sorgenvollen Windstärkenmeldungen und abends mit dauerhafter Unabkömmlichkeit – er musste ja zum Segeltraining.  

Wenn er ausnahmsweise doch mal mitkam zum Grillen an die Elbe, knechtete er uns mit komplett uninteressantem Fachwissen. Düste zum Beispiel ein Motorboot im Abendlicht von rechts nach links elbaufwärts, fragte er mich: „Was fällt dir an diesem Boot auf?“  

„Es fährt im Abendlicht von rechts nach links elbaufwärts“, rollte ich mit den Augen. „Und woran erkennst du, dass es von rechts nach links fährt?“, bohrte der Franke weiter. „Eventuell daran, dass es offenkundig von rechts nach links fährt …?“, versuchte ich ihn mit zusammengekniffenen Augen zur Räson zu bringen.

„Nein!“, rief der Franke daraufhin triumphierend aus, „sondern daran, dass du ein GRÜNES LICHT siehst! Wenn es nämlich von links nach rechts führe, sähst du ein ROTES Licht!“

Vielleicht verhielt es sich auch umgekehrt mit den Farben, so genau weiß ich das nicht mehr. Jedenfalls war alles absolut hoffnungslos, und ich nagte verdrossen weiter an meiner gegrillten Aubergine, während der Franke sich glühenden Blicks auf die rot und grün die Elbe durchpflügenden Boote die dritte Bratwurst reinpfiff.

Wir alle sehnten den Tag seiner Theorieprüfung herbei, die er dank einer appgestützt fehlberechneten Fahrtzeit („Scheiß Google Maps!“, schimpfte er noch Tage später) und einer unerklärlich frankenfeindlichen roten Welle erst mit zehnminütiger Verspätung antrat und gleichwohl bestand.

Vor der einige Tage später folgenden praktischen Prüfung gerierte er sich als fahriges Nervenbündel, das von zu rettenden Bojen faselte, wegen der vorhergesagten Windstärke vier Panik schob und drauf und dran war, Steuer-, Back- und Bücherbord zu verwechseln. Doch auch dieses Examen absolvierte der Mann aus dem weinberggesprenkelten Binnenland erfolgreich.

„Einen Vorteil hat das Ganze ja“, wandte ich mich in des Franken Gegenwart seufzend an Kramer. „Ich sehe uns schon auf dem Sonnendeck Cocktails schlürfen, während Käptn Ahab uns über die Weltmeere schippert.“  

Warum der Franke daraufhin irgendwas von einem Baum salbaderte, der uns beide von der Jolle fegen würde, weiß ich auch nicht. Im Herbst will er übrigens weitere Prüfungen ablegen, die ihn dazu berechtigen, nicht nur über die Alster, sondern auch quer durch Dreimeilenzonen zu marodieren. 

Wo ist eigentlich Windstärke zwölf, wenn man sie mal braucht?


PS: Weiteren Frankenhorror gibt es in meinem E-Book „Die Frankensaga“ für einen stark untertriebenen Preis bei Amazon.


Kommentare:

  1. Olaf HH00:19

    > "Nein!“, rief der Franke daraufhin triumphierend aus, „sondern daran, dass du ein GRÜNES LICHT siehst! Wenn es nämlich von links nach rechts führe, sähst du ein ROTES Licht!“ <

    Herr Matt -

    ich möchte Sie oder diesen Franken nicht kompromittieren, wirklich nicht.
    Nur: Wenn ein Boot von rechts nach links elbaufwärts fährt, dann müssen Sie auf der N.o.r.d.s.e.i.t.e der Elbe gesessen haben.
    Links ist das rote, rechts das grüne Licht. Das klingt kompliziert, ist aber so. Glauben Sie mir einfach.
    Sie hätten von Norden aus dann das r.o.t.e Licht sehen müssen. Oder der Franke hat Ihnen Mist erzählt und sein Segeljodeldiplom zu unrecht erworben. Klären Sie das noch einmal...
    Man scheint in Hamburg wohl nicht mehr wirklich sicher zu sein...
    ;-)
    ;-)

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    1. Moment: Wir HABEN auf der Nordseite der Elbe gesessen … Da sitzt man doch immer, da ist Strand usw. (Oder verwechsle ich etwa auch schon Himmelsrichtungen?)

      Aber wie schon im Text gesagt: Es kann auch andersrum gewesen sein.

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    2. Olaf HH11:23

      Oha - nichts genaues wissen wir also noch nicht.
      Ermitteln Sie bitte weiter - es geht um Menschenleben auf See.

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    3. Anonym10:34

      Den Unterschied zwischen Steuer- und Backbord und die Farben der dazugehörigen Positionslichter nicht zu kennen, ist für einen "wie echt auch immer Hamburger" allerdings erhebliche Bildungslücke und unentschuldbar. Das grenzt für Wasserkantenbewohner schon an fürchterlich peinlich.

      Völlig unabhängig von Segelschein oder sonstwas. Ich empfehle dringendst die umgehende Wissenslückenschließung im maritimen Bereich oder bitte darum zukünftig bei maritimen Themen zu schweigen, wenn sie als "Hamburger" erkannt wurden oder auftreten (sowohl öffentlich als auch privat). Oder dieses schmachbehaftete Nichtwissen bitte nur noch inkognito zu offenbaren.

      Nachdem was Sie geschrieben haben, Herr Matt, ist der Kahn ganz klar rückwärts gefahren, oder Sie äußerst farbenblind. Oder leider "unwissend und stolz drauf", was die Vorstufe zu "dumm und stolz drauf" ist. :-(

      Gruß Paddy

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  2. Olaf HH00:24

    Ich bin es noch einmal -

    man sollte sagen: Franke oha !
    Oder: Hoi - a Schiff !

    http://www.farbimpulse.de/Warum-backbord-rot-und-steuerbord-gruen-ist.236.0.html

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  3. Olaf HH00:38

    Na ja (es läßt mir keine Ruhe) - das Boot könnte eventuell möglicherweise vielleicht unter Umständen gegebenenfalls rückwärts getuckert sein. Das hatte ich nicht berücksichtigt.
    Und jetzt gehe ich schlafen.

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  4. Raoul01:17

    "Warum der Franke daraufhin irgendwas von einem Baum salbaderte, der uns beide von der Jolle fegen würde, weiß ich auch nicht." Ein schöner Satz, dessen Komik ich sogar mit meinem minimalen Segelwissen erfassen kann. So mag ich meine Überraschungen - milde.

    Nichtsdestotrotz halte ich in Zeiten vermehrt auftretender Rot-Grün-Schwächen das Farbkonzept für überholt. Vielleicht sollte man sich mal an diverse Graustufen heranwagen.

    Und ich will ja nicht meckern, aber dieses doppelte Leerzeichen im dritten Absatz nach "abends"...hatten Sie da ursprünglich einen weiteren Nebensatz verfasst, den Sie uns nun vorenthalten? Zumindest würde ich schätzen, daß dies in recht vielen Fällen die Erklärung für eine Doppelung von Leerzeichen ist.

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    1. Olaf HH08:02

      "Vielleicht sollte man sich mal an diverse Graustufen heranwagen."
      Genau dafür wurde damals das Schwarzlicht erfunden. Dimmt man es, dann wird es grau. Stufenlos sogar.

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  5. Das liegt nur an meinem zittrigen Daumen. Glaube ich.

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  6. Anonym12:02

    Superleichte Eselsbrücke:

    Wenn man ne BACKpfeife bekommt, dann - zumeist - auf die LINKE Wange.

    Die linke BACKE verfärbt sich daraufhin ROT.

    Also:

    LINKS = BACKbord und ROT.

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    1. Danke, das hilft, jetzt und immerdar!

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  7. Anonym01:03

    Soso... Der Franke strebt nach dem SKS. Soll er. Dann wird er noch nach Funk und Pyro rufen und alle mit Nato-Alphabet und Sprengstoffrecht unterhalten. Versprochen!

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    1. Sie empfehlen also wochenlang Ohropax. Ich freu mich schon.

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  8. Anonym10:17

    Seglers Tochter gratuliert dem Franken recht herzlich!!
    Da nicht bloß mein Herr Papa, sondern auch andere Familienmitglieder Segelscheine jedweder Art besitzen, habe ich mich da diskret zurückgehalten.
    Hat aber nix genützt, den Herrn-Irgendwas-ist-immer habe ich mir beim Segeln angelacht.
    Frau-Irgendwas-ist-immer

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  9. Anonym21:44

    Jetzt weiß ich endlich, was so anders war an dem Franken, als ich ihn kürzlich nach vielen Monaten wiedersah: Er roch nach Fisch.

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  10. Das mit Backbord und Steuerbord ist doch ganz einfach:
    Wenn ich Ihnen eine Ohrfeige gebe, bekommen Sie eine rote Wange. Pöffff, Ihre linke Wange ist rot und das ist damit auch Backbord. Kommt von Backpfeife.

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