02 Januar 2013

Das lässt tief blicken

Am Neujahrsmorgen standen unten vorm Tunnel – einer Diskothek, deren Eingangsbereich wir von unserem Balkon aus sehen können – junge Menschen im Winterregen, darunter eine Frau im kleinen Schwarzen und wadenfrei.

Im Winter sieht man so was erstaunlich oft in Hamburg und vor allem auf dem Kiez, wo das Bedürfnis, sich zu präsentieren, anscheinend stärker ist als jede Lungenentzündungsbefürchtung.

Man sieht sogar bei Minusgraden schalfreie Hälse und Dekolletees von einer derartigen Tiefe, dass sich in ihren Spalten jeder dahergelaufene russische Eiswind formidabel aufwärmen kann. (Und ich spreche nicht von den Huren in der Davidstraße; die tragen nämlich Skianzüge.)

Ich und Ms. Columbo laufen derweil vollvermummt an diesen merkwürdigen Menschen vorbei und fragen uns, ob wir wirklich zur gleichen Spezies gehören. Wenn hier eine dieser Winterhalbnackedeis mitliest: Frieren Sie denn nicht? Und wenn ja: warum bloß nicht?

Ich frage für eine genetisch benachteiligte Halbsardin, die sich schon ins Lammfell mummelt, wenn sie nur Langnese-Werbung im Fernsehen sieht.

Übrigens ließ auch unsere Haustür am Neujahrsmorgen tiefer blicken als noch am Abend zuvor, doch das ist ja durchaus nicht unüblich – und damit für dieses Jahr hoffentlich erledigt.

Kommentare:

  1. Och, ich laufe auch bei jeder Temperatur nur mit T-Shirt und Sweatjacke herum, ohne das mir dabei kalt ist (eher im Gegenteil), ich habe ja nichtmal was anderes. Keine richtige Jacke, keine Sweater oder sowas in der Art, wozu auch? Wann wird es in Hamburg denn mal so kalt, dass man wirklich friert? Oder anders gefragt: Wann muss man so lange draussen herumlaufen, dass die Kälte überhaupt bis auf die Haut kommt? Man ist doch eh in 5 Minuten an der nächsten Haltestelle, keine 10 Minuten später kommt dann die Bahn etc., und während man dahin geht, wird man schon durch die Bewegung warm.
    Sie sind ein Frostköttel, Matt. :p

    AntwortenLöschen
  2. Da können Sie mal sehen, wie segensreich Ms. Columbo auf mich einwirkt.

    AntwortenLöschen
  3. Immer wenn ich im Glöe oder Lieblings Mittagessen gehe oder zur Post, habe ich das Gefühl, dass Du mich beobachtest. :s

    AntwortenLöschen
  4. Jetzt, nach diesem plumpen Duzen, wird das sofort aufhören …

    AntwortenLöschen
  5. pff. Geh doch zurück ins Hafencity Notquartier, Mr. Stock-im-Po.

    AntwortenLöschen
  6. Haben Sie mich gerade schwul genannt?

    AntwortenLöschen
  7. Anonym21:32

    So iss ass woohl...
    Junge Frauen im Kleinen Knappen Schwarzen. Natürlich auch auf Sschwarzen Lack-Stiletto-high heels mit langen Fingernägeln dazu - very sexy ["seggsih"].
    Wenn freiwillig, dann gut, wenn nicht (wer weiß das schon wirklich so richtig ??), dann nicht so richtig gut.
    Seien wir bitte besser ehrlich.

    AntwortenLöschen
  8. Anonym04:04

    "...genetisch benachteiligte Halbsardin"
    Das ist hübsch! Ich lebte mit einer Romangola zusammen. Die ersten italienischen Worte, die ich gelernt habe, waren: "che freddo!" Im ersten Sommer hatte ich das kurzfristig auf mich bezogen - und war dann doch erleichert, als ich dieser besonderen Temperatursensibilät auf den Grund kam.

    Bestellt sich Ms. Columbo auch im Sommerurlaub in Marokko einen Heizlüfter ins Hotelzimmer, weil sie panisch festgestellt hat, daß die Heizung abgeschaltet ist und "die Nächte eisig kalt" werden?

    AntwortenLöschen
  9. Anonym04:14

    Dazu - ich kann nicht anders - fällt mir doch wieder ein Nietzsche aus der >Götzendämmerung< ein:

    "Zufriedenheit schützt selbst vor Erkältung. Hat je sich ein Weib, das sich gut bekleidet wusste, erkältet? - Ich setze den Fall, das es kaum bekleidet war."

    Also daß und dass oder das waren damals noch anders, vieles anderes erfrischend gleich, auch die Art, wie man oder frau seine Mitmenschen betrachtet oder auch beurteilt...

    Dirk

    AntwortenLöschen
  10. Erstaunlich, dass Nietzsche wirklich zu allem was Sinniges gesagt hat … ;)

    AntwortenLöschen