10 Januar 2013

Ärmer, aber nicht um eine Erkenntnis

Als wir unlängst über eine Brücke die Speicherstadt verließen, sahen wir einen zylindrigen Pfeiler aus den trüben Fluten aufragen. Er endete ein paar Meter unterhalb der Brücke.

Interessanter noch als seine uns Landratten unbekannte Funktion, auf die auch das aufgepflanzte Nummernschild keine näheren Hinweise geben konnte, erschien uns augenblicklich die beträchtliche Münzsammlung, die es sich auf dem Pfeiler wohlergehen ließ.

Wie kamen die Geldstücke bloß dort hin? Ein Wurf von der Brücke musste doch unweigerlich dazu führen, dass das auftreffende Hartgeld seine überschüssige kinetische Energie sogleich zu einem Satz ins Wasser … ähem … ummünzen würde.

Das wollte ausprobiert werden: Sportlichen Herausforderungen nie abgeneigt, kramte ich sogleich in der Parkatasche nach etwas Rotgeld (so viel Geiz muss sein), fingerte ein Zweicentstück hervor und erbat Ms. Columbos voll(st)e Aufmerksamkeit. Sie stellte sich erwartungsvoll ans Geländer und harrte des Stunts ihres angetrauten Helden.

Ich visierte das Ziel an, schwang sachte den Unterarm, ließ die Münze los – und verfehlte den Pfeiler.

In 80.000 Jahren werden Archäologen sie aus dem seit Ewigkeiten erstarrten Elbgrund buddeln und wichtige Hinweise auf die Lebensweise im 21. Jahrhundert gewinnen. Bis dahin bin ich um zwei Cent ärmer.

Und der Gegenwert dieser Investition war auch eher mau, offen gesagt.


Kommentare:

  1. Ach was, der Gegenwert ist diese nette kurze Erzählung :)

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  2. Nein: Ihr Kommentar … ;)

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  3. Ich starte mit einem Lächeln in den Morgen. Die Situation kann ich mir genau vorstellen. Neugier, Ehrgeiz, Ernüchterung. Und das alles für 2 Cent! Kommt mir nicht zu teuer vor.

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  4. Lijbosz Nek10:05

    Wie können Sie nur? Wissen Sie denn nicht, wieviel Ihren Nachfahren in 80000 Jahren damit entgeht? Selbst bei moderater Verzinsung von 0,5% p.a. überfordert die Zahl google und man müsste WolframAlpha zu Rate ziehen. Ich verweise auf folgendes Gedankenexperiment: http://de.wikipedia.org/wiki/Josephspfennig

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  5. Anonym10:25

    Bei diesen Pfählen handelt es sich um sogenannte Dalben oder Duckdalben. Diese dienten und dienen Schiffen als Anlegehilfe und zum Vertäuen. Und die Münzen, die auf all den Dalben zu finden sind, die wurden von Touristen durch eben solche Würfe, wie der von Ihnen dort hin befördert. Nur waren diese Touristen mit den Würfen erfolgreicher.
    Vielleicht hilft Ihnen ja das Wissen, dass um die Dalben herum bereits viele andere Münzen im Schlick versunken sind über den
    Verlust hinweg.

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  6. Anonym10:25

    Wenn Sie einen windstillen Tag abwarten, was in Hamburg sicher ein Problem ist, können Sie noch mal mit einem 5 Euroschein üben gehen ... soll ab Mai ja neue geben ... wenn der treffsicher landet, ist Ms. Colombo sicher sehr sehr stolz auf Sie!
    Frau-Irgendwas-ist-immer

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  7. Hätten Sie ein 2-Euro-Stück genommen, hätten Sie mindestens den Pfahl getroffen...da bin ich mir ganz sicher! ;-)

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  8. Anonym 10.01.2013, 16:3016:30

    Ein Tauchgang um die Duckdalben herum könnte sich lohnen...
    Eine neue Geldquelle für die Stadt Hamburg ?
    Und ein neuer Beruf ist geboren: "Kleingeldtaucher".
    BAT 2 a ?

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  9. Anette, Ihr Lächeln war mir die 2 Cent wert, mindestens.

    Herr Nek, da können Sie mal sehen wie wenig ich an materiellen Dingen hänge (und das auch von anderen verlange)=.

    Anonym 10:25, allein die Tatsache, dass mein Wortschatz nun um das grandiose „Duckdalben“ erweitert wurde, hilft mir über den Verlust hinweg. Danke dafür!

    Frau Irgendwas, ich werde es lieber mit einem 500-Euro-Schein probieren, der ist bestimmt zielgenauer, selbst bei Windstärke 8.

    GH, das werde ich ausprobieren. Aber mit einem Goldbarren, das ist sicherer.

    Anonym 16:30: Duckdalbentaucher ist zweifellos der Beruf der Zukunft, allein schon phonetisch.

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  10. Anonym 10.01.2013, 16:3017:27

    Hier noch etwas für ein Bildungsblog:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Dalbe

    Und den "Duckdalbentaucher" haben Sie erfunden - klingt gut.
    Über "Kleingeldtaucher" bin ich ja nicht hinausgekommen.
    Und wenn erst Goldbarren und Geldscheine - zu Schwalben gefaltet - noch dazukommen, scheint es sich ja so richtig zu lohnen.

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  11. Warum sind Sie eigentlich die Erste, der das auffällt? Danke – geändert.

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  12. Weil ich kein Quiddje bin. ;-)
    Da nich für.

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  13. Soso, Duckdalben heißen die Stäbe also. Fein, ich lerne ja derzeit so viele neue Wörter hinzu, dass möglicherweise bald ein paar andere aus meinem Speicher purzeln, weil voll. Neueste Errungenschaft in meinem Wortschätzchen: Dülle. Oder auch Doppelfederdülle. Dülle 2.0, sozusagen.

    Just my 2 cents... (ha, ha!)

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  14. Dass sich Dülle auf Gülle reimt, hat aber gewiss keine tiefere Bedeutung, schätze ich.

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  15. Anonym17:58

    @diva68:

    Danke, ich wußte gar nicht, daß es so etwas überhaupt gibt:

    http://www.esska.de/esska_de_s/damenspaten-ohne-tritt-doppelfederduelle-gaertnerf.html

    "Damenspaten"

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  16. Lieber Herr Matthias (klingt ein bißchen so wie "Liebe Frau Sibylle", daher musste das raus), ja, das schätze ich auch. Also: Nein.
    Es sei denn, Sie hätten vor, Gülle mit Hilfe einer Mistgabel zu beseitigen. Das wäre ja richtig sch...
    Dann doch lieber mittels eines - genau, Herr/Frau Anonym - Damenspatens mit Doppelfederdülle.
    Tirili!

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  17. Anonym00:21

    @diva68
    "Dann doch lieber mittels eines - genau, Herr/Frau Anonym - Damenspatens mit Doppelfederdülle.
    Tirili!"
    Dazu ein "Törööh" und danke dafür. Im Sinne der internationalen Spatenidee.
    Wirklich. ;-)

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