31 Oktober 2011

Wenn man schon mal was braucht



Ich benötige eine kleine Plastikbürste, aus Gründen. Sie, die Gründe, näher zu erläutern, ist hier allerdings nicht der richtige Ort. Und zwar aus Gründen.

Jedenfalls handelt es sich bei der kleinen Plastikbürste, die mir sehr konkret vorschwebt, um Pfennigware, die man am besten im Ramsch kauft, und wo kann man das besser als bei Woolworth in der Großen Bergstraße?

Ich hätte diesen gemeinhin ungastlichen Ort gleichwohl niemals gezielt angesteuert, doch als ich versonnen dort vorüberzuradeln mich soeben anschicke, sticht mir das Totalausverkaufsschild ins Auge. Die Filiale wird also dichtgemacht; ein kleiner Verlust für die Menschheit und ein ebenso kleiner für Altona. Also rein da, ehe die letzte Plastikbürste verkauft ist.

Wie sich schnell herausstellt, befinden wir uns bei Woolworth bereits auf der Zielgerade des Ausverkaufs. Die Regale: traurige Karikaturen ihrer selbst. Das Publikum: fast durchweg weiblich, beleibt und mit kapitalem Migrationshintergrund ausgestattet. Es wühlt sich gleichmütig durch die Reste der reduzierten Reste – also Grablampen, Hosen für einsneunundneunzig (in Worten: EINSNEUNUNDNEUNZIG!) und Hannah-Montana-Taschen.

Kleine Plastikbürsten aber sind, wie ich nach längerem Durchstreifen der tristen Gänge ebenso erstaunt wie mild empört erkennen muss, längst ausverkauft, wahrscheinlich aus Gründen. So beschließe ich ersatzweise den überaus denkwürdigen Ramschladen ausgangs der Reeperbahn aufzusuchen, der seit mindestens acht Monaten einen Ausverkauf behauptet, ihn zumindest im Schaufenster lockvogelartig bewirbt.

Hier, zwischen Handyschutzhüllen aus den 90ern und Einweggeschirr, keine Plastikbürste zu bekommen, das ist ungefähr so wahrscheinlich wie die Chance, dass die Table-Dance-Damen im Dollhouse samstagsabends nicht blankziehen.

Zumindest eins davon ist allerdings trotzdem wahrgeworden – und nein, im Dollhouse war ich am Wochenende nicht. Aus Gründen.


28 Oktober 2011

Stuck in the middle with you



Der arme Linienbus hatte sich auf dem Wendehammer eingangs der Speicherstadt heillos festgefahren. Nichts ging mehr, kein Vor, kein Zurück, auch eine spontane Levitation stand augenscheinlich nicht zur Debatte.

Der Lenker hatte im verständlichen Bestreben, die Kurve zu kriegen, seinen Trumm von Bus wohl so lange rumrangiert, bis die Hinterräder auf dem Bordstein standen und die Vorderräder ebenfalls. Dadurch wurde das Reifenpaar vor der Hinterachse, welches anscheinend ganz allein für den Antrieb verantwortlich war, zu seinem großen Entzücken weitgehend entlastet. Es hatte praktisch jeden Bodendruck verloren und drehte jetzt so richtig durch.

Eine automobilistische Fehlkonstruktion, die allerdings einer zusätzlichen fahrerischen Fehlleistung an einem geeigneten Ort wie diesem bedurfte, um weltöffentlich zu werden. Jedenfalls war der Busfahrer in Not sowie die Passagiere ratlos bis verärgert und teils schon frustriert ausgestiegen.

Doch schnell fand sich eine Gruppe zufälliger Passanten, zu der ich die Ehre hatte, zählen zu dürfen, die gewillt war anzupacken. Wie in „Erdbeben“ oder „The Day after tomorrow“. Wir klemmten also unter Beifallsbekundungen des Fahrers allerhand herumliegende Gegenstände probehalber unter die Reifen der Antriebsachse, um dem Bus den nötigen Widerstand für den Vortrieb zu verschaffen.

Doch nichts half. Selbst kapitale Bretter von der Dauerbaustelle an der Brücke flogen munter drunter durch oder ließen sich behaglich eine breit grinsende Gummispur verpassen. Ich wuchtete daraufhin sogar eine Steinplatte, die mir beinah das Rückgrat brach, vor die Mittelachse. Auch das vergebens.

Zweifellos: Hier musste die Kavallerie ran, also ein Abschleppdienst für die ganz großen Brocken. Das sah inzwischen auch der beschämte Fahrer ein, der bisher noch gehofft hatte, sich die blamagenahe Blöße eines SOS-Anrufs nicht geben zu müssen.

Das tat er aber nun doch, und so trollten wir Zufallspassanten uns alle wieder, verschwitzt, zufrieden – und beseelt von diesem unnachahmlichen Mutter-Teresa-Gefühl, für das man sich gelegentlich auch mal das Rückgrat brechen kann: das Richtige getan zu haben, ohne auch nur einen Millimeter weitergekommen zu sein.

Immerhin: Für einen belanglosen Blogeintrag an einem Tag, an dem sonst nichts Berichtenswertes passierte, hat es allemal gereicht.

Und machen wir uns nichts vor: Darum geht es hier doch seit Jahren.

27 Oktober 2011

Fundstücke (149)



1. Als höfliche Menschen haben die St. Paulianer der Bitte des Ladenbesitzers am Neuen Kamp gern entsprochen, keine Plakate auf die Scheibe zu pappen. Spray und so was hat er aber nicht erwähnt.



2. Bereits vor Jahren habe ich davon berichtet, wie manche Musikpromoter mir statt einer Rezension eine Rezession aus den Rippen leiern wollen. Die Commerzbank kann das – nach Ansicht der Webseite finanzen100.de – ebenfalls, nur umgekehrt.



3. Das UCI beugt vor. Sonst droht ja auch Regress, in der Folge eine schlechte Rezension und dann Sie wissen schon.



4. Wo sitzt hier in Hamburg noch mal die Antidiskriminierungsstelle?



5. Zwar sagt dieser Stein auf Helgoland das Wetter nicht allzu gut voraus, doch er ist auf wundersame Weise in der Lage, jederzeit eine exakte Beschreibung desselben zu liefern. Davon können manche Promoter und finanzen100.de noch was lernen.

26 Oktober 2011

25 Oktober 2011

Ein Ausflug, der Spuren hinterließ



Wenn man schon das Netzteil seines MacBook irgendwo vergisst, dann gerne an einem so schönen Ort wie Büsum.

Vorher waren wir gewarnt geworden vor diesem Städtchen an der Nordsee; als größte Attraktion galt einer Wohlmeinenden ein Bedienkino, das dort einmal existiert haben soll – vor 27 Jahren.

Doch der gewundene Strand, die Sonne, die sich abends capriesk ins Meer verflüchtigt, die fischrestaurantgesättigte Fußgängerzone, menschliche Schattenrisse auf dem Deich vorm Abendrot: All das liefert durchaus ein Ambiente, in dem selbst ein vereinsamtes MacBook-Netzteil nicht sofort depressiv wird.



Trotz der Heimeligkeit Büsums hatten wir einen Tag unseres Aufenthaltes genutzt, um nach Helgoland überzusetzen. Zwar war das Wetter von güldner Pracht, doch zumindest die Hinfahrt hinterließ gleichwohl deutliche Spuren – allerdings keine, die eine moderne Waschmaschine nicht irgendwie beseitigen könnte.

Jetzt sind wir längst wieder zurück auf dem Kiez – zwar ohne Netzteil, aber mit zwei Litern zollfreiem Single Malt Scotch.

Es könnte alles viel schlimmer sein.

24 Oktober 2011

Auch Gerald wirkt noch nach



Oh-oh, dachte ich sofort, als ich heute am Bierstand den abgebildeten Becher erhielt.

Zwar glaubte ich eigentlich die Grundvoraussetzung für einen St.-Pauli-Heimsieg dank des Erwischens eines Namensbechers sichergestellt zu haben. Allerdings grinste mich kreuzfidel der gute, alte Gerald Asamoah an, und der spielt leider gar nicht mehr für den FC St. Pauli.

Ja, Gerald Asamoah ist zurzeit sogar rechtschaffen vereinslos, was ein Skandal ist, und ob daher sein Konterfei in der zuständigen Sachbearbeiterdienstelle des Schicksals, wo St.-Pauli-Heimsiege erst nach sorgfältiger Prüfung aller Voraussetzungen eingetütet werden, als ausreichend akzeptiert werden würde: Daran hegte ich vorm Spiel doch berechtigte Zweifel.

Nach dem Spiel allerdings nicht mehr, im Gegenteil. Denn der 2:1-Sieg gegen den FSV Frankfurt war dermaßen schweineglücklich, dass nur die wohlwollende Intervention einer höheren Macht als plausible Erklärung für das Ergebnis taugt. Und dieses Wohlwollen resultierte natürlich mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit aus der peniblen, ja pedantischen Durchführung des Becherrituals durch mich.

Kurz: Die Bechertheorie steht weiter wie eine Eins, weil sie im Popper’schen Sinne noch immer nicht falsifiziert ist.

Im nächsten Heimspiel (5. November) geht es nun gegen den Spitzenreiter, die Spielvereinigung Greuter Fürth, und ich erwarte angesichts der immensen Wichtigkeit dieser Partie von der Vereinsführung nichts weniger, als in einer Sänfte an meinen Platz auf der Haupttribüne getragen zu werden.

Auch die parallele Kostenübernahme des magischen Biers im Namensbecher fände mein Wohlgefallen, denn allmählich geht die Sicherstellung der Heimsiege des FC echt ins Geld.

Wieso hat der gute, alte Gerald Asamoah eigentlich zurzeit keinen Verein? Das geht doch nicht.

22 Oktober 2011

Pareidolie (33)



Dazu fällt mir aus irgendeinem dunklen Grund ein Aphorismus von Gottfried Benn ein:

„Dumm sein und Arbeit haben: Das ist das Glück.“

PS: Viele weitere und bessere Bildbeispiele gibt es bei der Pareidolie-Tante.

21 Oktober 2011

Wir zerstören das Großkapital!

Sobald ihm der neuste Saturnprospekt in die Hände fällt, studiert ihn der Franke sorgfältig – um damit anschließend im Mediamarkt um die Ecke vorstellig zu werden.

Den Prospekt nutzt er vor Ort als Waffe. Er hält ihn einem Mediamarktverkäufer vor die Nase, säuselt vorwurfsvoll „Saturn ist aber billiger“ und sackt dann das erwählte Produkt – meist eine Blu-ray von David Lynch oder Lars von Trier – zum Saturnpreis ein. Mediamarkt macht das Spielchen stets klaglos mit; der Franke hat mit dieser Methode schon Dutzende Euro gespart.

Im Grunde braucht man also gar keinen Prospekt von Mediamarkt, wenn man einen von Saturn hat, es sei denn, Mediamarkt ist im Einzelfall billiger, aber das erfährt man ja vor Ort. Kein Risiko also.

Kramer, der sich das Ganze ungewohnt unhibbelig erst mal angehört hat, passt diese pfiffige Frankenmethode allerdings ganz und gar nicht in den Kram (den er als Weltbild missversteht). „Ihr zwei seid schuld an der Krise!“, blafft er und nimmt mich damit völlig zu Recht in Sippenhaft, denn auch ich wandte den Prospekttrick bereits mehrfach erfolgreich an.

„Nein, das ist nur unsere Methode, das Großkapital zu zerstören“, belehre ich daher diesen Immervielzukurzdenker, ohne freilich zu erwägen, dass ich damit ja meiner Nemesis beispringe, dem Franken nämlich, und das geht eigentlich gar nicht. „Und wir profitieren auch noch davon“, ergänzt der Franke in einem ähnlichen Anfall versehentlicher Solidarität und grinst dabei so zufrieden, als dürfte er sich gerade drei Nürnberger Rostbratwürste auf einmal zwischen die kapitalen Kiefer stopfen. „Ja“, sekundiere ich, „eine klassische Win-Win-Situation.“

„Und wenn das Großkapital zerschlagen ist“, führt der Franke im Angesicht des längst fassungslos verstummten Kramer fort, „dann entstehen überall kleine Videoläden, in denen Blu-rays 20 Euro kosten. Wir haben dann allerdings längst alle Filme bei Mediamarkt gekauft und brauchen die kleinen Läden nicht mehr. Zumal wir uns die Preise dort eh nicht leisten könnten.“

Ich hatte vorher schon dumpf geahnt, dass es einen Haken haben würde, wenn wir das Großkapital zerstörten. Andererseits können wir es ja nicht nur deshalb stützen, um prophylaktisch zu verhindern, dass kleine Läden nach ihrem temporären Erblühen von uns aus preislichen Erwägungen wieder zu Tode boykottiert werden.

Na ja, jedenfalls sind die Blu-ray-Angebote im aktuellen Saturnprospekt gar nicht so uninteressant.

Mal schauen, was Mediamarkt dazu sagt.

20 Oktober 2011

Der Bürgermeister von Ottensen



Der Franke hat nicht nur ein neues Smartphone, sondern auch das standortbezogene soziale Netzwerk Foursquare entdeckt.

Jeden Ort, den er seither aufsucht, ob Bäckerei, Bordell oder Bierbar (wobei ein Element dieser Aufzählung nur aus alliterierenden Gründen aufgenommen wurde), meldet er jetzt seinem Foursquare-Freundeskreis und informiert so über seinen aktuellen Aufenthaltsort. Dafür kriegt er Punkte, und dort, wo er am häufigsten eincheckt, wird er von Foursquare zum Mayor erklärt, also zum Bürgermeister – wofür er noch mal Punkte bekommt.

Zur Klarstellung: Es handelt sich dabei um genau den gleichen Franken, der damals in den 80ern die Volkszählung boykottierte, um nicht zum gläsernen Franken zu werden. Kritische Nachfragen in diese Richtung wischt er allerdings unwirsch mit „Ach, ist doch nur eine Spielerei“ beiseite und checkt via Smartphone wieder irgendwo ein.

Währenddessen murmelt er Sachen wie „Ha, jetzt bin ich hier Mayor!“ oder „C. hat gerade in Nürnberg im Zeit & Raum eingecheckt, seinen Punktevorsprung hole ich nie mehr auf.“ Nur zu den Essenszeiten herrschen weiterhin ganz andere Prioritäten, außer zwischen zwei Bissen natürlich.

Neulich hat der erwähnte C., sein Hauptkonkurrent um den Punkterekord der Woche, das Büro des Franken in dessen Abwesenheit heimtückisch als neuen Foursquare-Ort angelegt, sofort eingecheckt und war dort plötzlich selbst Mayor. In des Franken hocheigenem Büro! C.!!!

Ein Affront, den der Spross eines traditionell auf Krawall gebürsteten Volksstamms als ernste Kampfansage interpretierte. „C. will Krieg? C. bekommt Krieg!“, rief der Franke aus und fing wieder hektisch an zu fingern. Inzwischen hat er sein Büro handstreichartig von C. zurückerobert, ebenso wie ein, zwei weitere Bürgermeisterposten im Raum Ottensen.

Ich habe mich jetzt auch mal bei Foursquare angemeldet, aus psychologischen Motiven. Die Frankenseele lässt sich schließlich nicht nur qua Außenschau ergründen. Genau hundert Punkte habe ich schon. Und in unserem Wohnzimmer bin ich unangefochten der Mayor, ob das Ms. Columbo nun passt oder nicht.

Seit gestern hat sie allerdings auch einen Account.

Sie will also Krieg? Sie bekommt Krieg!

PS: Das Foto zeigt einen der Orte auf St. Pauli, wo ich hinfort aus elementarem Eigeninteresse stets einchecken muss, wenn ich ihn betrete: die Herbertstraße.


18 Oktober 2011

Es ist noch nicht vorbei, im Gegenteil



Als ich nach dem düpierenden 1:3 gegen Düsseldorf nach Hause kam, sagte ich mit einem Anflug wilder Entschlossenheit zu Ms. Columbo: „Ich werde heute Abend im Blog schlüssig die mir unweigerlich entgegenschlagende Vermutung widerlegen, die bisher makellose Becherfototheorie sei mit dieser Niederlage am Ende.“

Diese Theorie besagt bekanntlich, dass St. Pauli seine Heimspiele immer dann gewinnt, wenn ich a) teilnehme, b) den rituell erworbenen Bierplastikbecher vor Leerung des kompletten Inhalts fotografisch verewige und c) das Ergebnis im Blog für alle Ewigkeit dokumentiere.

Dank dieser Maßnahmen sorgte ich quasi im Alleingang für die Siege gegen Aachen, Duisburg und 1860, auch wenn in der einschlägigen Presse dafür andere gefeiert wurden. Das Spiel gegen Erzgebirge Aue ging hingegen verloren – und zwar ganz offenkundig nur deshalb, weil ich währenddessen in Spanien weilte und trotz mehrmaliger Aufforderung, die zuletzt einen flehentlichen Ton annahm, niemand von Ihnen als tatkräftiger Ersatzzeremonienmeister eingesprungen war.

Nein, ich musste in Abwesenheit die Karte vom FC St. Pauli auf Kommissionsbasis an einen völlig Unbekannten verticken lassen, und der versäumte natürlich in Unkenntnis seiner Aufgabe die Anfertigung eines entsprechenden Fotos. Es ging aus, wie es ausgehen musste: Aue sagte danke.

Zurück aus dem fatalen Urlaub, den ich mir aus Fankreisen auch noch ankreiden lassen musste, war ich heute wieder pflichtgemäß im Einsatz. Ich erstand das erforderliche Bier, setzte mich auf meinen Platz auf der Haupttribüne, fotografierte das Ensemble und wartete stillvergnügt auf den dadurch unweigerlich folgenden Heimsieg. Das 1:0 durch Kruse bejubelte ich gleichwohl, als wäre es gar nicht das Selbstverständlichste von der Welt.

Dann aber kippte komischerweise das Spiel, Düsseldorf schoss drei Tore, wir nur viermal ans Aluminium, und Thorandt flog vom Platz. Mein erster Gedanke war natürlich: Die Becherfototheorie ist widerlegt. Doch dann erst fiel mir ein entscheidendes Detail des Bierbechers auf, vielmehr ein fehlendes.

Es handelte sich um einen neutralen, blitzeblanken Plastikbecher – ohne irgendein aufgedrucktes Spielerporträt. Selbst Naki war nicht drauf, geschweige denn Schachten. Sofort fiel es mir wie Schuppen aus den Haaren: Die Becherfototheorie war nicht nur nicht widerlegt, sie erfuhr heute Abend gegen Düsseldorf sogar eine wesentliche Verfeinerung, die künftige Spielausgangsprognosen auf eine noch sicherere Basis stellt als bisher.

Nicht mehr nur drei, nein, vier Bedingungen gilt es
also demnach künftig zu erfüllen, um einen Heimsieg zu garantieren: Ich muss a) natürlich im Stadion anwesend sein, b) unbedingt einen Bierbecher mit aufgedrucktem Spieler erwischen, ihn c) fotografieren und das Bild natürlich d) verbloggen.

Wenn das der Bierverkauf hinter der Haupttribüne künftig bitte sicherstellen könnte? Sehr verbunden. Ich meine: Ihr wollt es doch auch.

17 Oktober 2011

JJ droht JB



Da mag ich mal einen jungen Künstler, der Folk und Soul zu fantastischen Songs verschmilzt, und im Konzert stellt sich heraus, dass er von lauter jungen Frauen angeschmachtet wird, die unverhohlen aussehen, als würden sie sonst James Blunt anschmachten.

Sie singen schon beim ersten Stück mit und rufen glockenhell „Jonathan, we love you!“ ins Halbdunkel, und sobald der Künstler pantomimisch zum Mitklatschen auffordert, machen sie treudoof was? Sie klatschen los, als fühlten sie sich verpflichtet, das abgebildete Schild neben der Garderobe mit der Wirklichkeit in Einklang zu bringen.

Jonathan Jeremiah ist natürlich trotzdem weiterhin ein toller Künstler, das lasse ich mir doch von denen nicht verderben – auch wenn die Gefahr einer gewissen Bluntisierung nicht mehr zu leugnen ist; das weiß ich jetzt.

Aber biddebidde nicht vor – sagen wir – 2013.

16 Oktober 2011

Der Schweinshaxenstreit



Seitdem die „Frankensaga“ bei Amazon erschienen ist, muffelt der Franke vor sich hin.

Natürlich waren fairerweise er und Kramer als meine herausragenden Musen die ersten, die per Mail über die Veröffentlichung informiert wurden.


Kramer lehnte sofort unwirsch jedwede Lektüre mit der Begründung ab, er lese keine Horrorgeschichten. Der Franke hingegen zeigte die gleiche Reaktion, die nach menschlichem Ermessen von ihm zu erwarten wäre, hielte man ihm eine Portion Seitan mit Sheese und Sojageschnetzeltem vor die Nase: nämlich rundum keine.

Erst mal redeten wir tagelang um den heißen Brei herum, selbst beim gemeinsamen Mittagessen blieb die Saga unangesprochen. Dann jedoch brach er unversehens das Schweigen, aber vorsorglich nur auf der Metaebene.

Man habe ihm zugetragen, hub er zwischen zwei Bissen Rückensteak mit Kartoffelpürree an, das Titelbild der Frankensaga ziere eine Schweinshaxe. Ich bestätigte. Dabei, fuhr er fort, habe er niemals Schweinshaxe bei Heiß und fettig gegessen, sondern vielmehr ich. Er hingegen habe sich dort vor allem den unterschiedlichen Ausformungen des Krustenbratens gewidmet, alternativ auch Hack.

Das mochte ja durchaus sein, wiegelte ich ab, doch fotografiert hätte ich nun mal (m)eine Schweinshaxe. Selbige sei eine Metapher. Eine METAPHER! Und zwar eine buchstäblich saustarke.

Seine Stirn war inzwischen zorngerunzelt. Tatsache bliebe gleichwohl, beharrte der Franke, der hienieden mit einem Vegetarier so viel gemeinsam hat wie ein Sibirischer Winkelzahnmolch mit einem Andenkondor, dass er niemals – in Worten: niemals! – eine Schweinshaxe gegessen habe, Punkt.

Na gut, rollte ich mit den Augen – und stelle hiermit weltöffentlich klar und richtig: Der Franke hat bei
Heiß und fettig niemals eine Schweinshaxe gegessen, sondern immer nur Krustenbraten und Hack.

Gut, dass man ein eBook nicht einstampfen kann.


PS: Da ich nicht schon wieder die elende Schweinshaxe zu Illustrationszwecken heranziehen will, gibt es heute in der Laeiszstraße herumliegende Beeren mit Vögelchen – natürlich ein Verwandter des Andenkondors (und nicht des Sibirischen Winkelzahnmolchs).


15 Oktober 2011

Wer nicht fragt, kriegt auch keine Antwort



Nach einigen Wochen Pause traf ich mal wieder Thorsten persönlich in seinem Gemüseladen an. Zuletzt war das Geschäft entweder geschlossen gewesen, oder die Gattin stand hinterm Tresen.

Auf seine gar nicht so unwahrscheinliche Begrüßungsfrage „Auch mal wieder da?“ wäre mir, sofern er sie vorgebracht hätte, möglicherweise spontan der arglose Satz „Ich war regelmäßig hier, aber zuletzt hat mich immer Ihre Frau bedient“ herausgerutscht, wobei mir garantiert im Augenblick des Aussprechens der ungewollt mitschwingende Subtext ein unschön schiefes Lächeln ins Gesicht gepinselt hätte.

Doch da Thorsten die Frage gar nicht stellte, konnte ich holperfrei die übliche Feldsalatorder platzieren und sie mit dem Kauf eines kapitalen Kräutersaitlings aufs Vorzüglichste abrunden.

Und weil es nun mal ungewöhnlich ist, dass ein Tag so pannenlos verläuft wie dieser, wurde er auch am Himmel über St. Pauli ordnungsgemäß angekreuzt.

14 Oktober 2011

Pareidolie (32)



En passant und aus dem Augenwinkel diesen entsetzlichen Hilfeschrei eines Bauzaunfußes vernommen – manchmal bin ich mir selbst ein bisschen unheimlich.

Entdeckt an der Helgoländer Allee, St. Pauli.

PS: Viele weitere und bessere Bildbeispiele gibt es bei der Pareidolie-Tante.

13 Oktober 2011

Kindisches für den Kindle

Es gibt eine gute und eine schlechte Nachricht.

Die gute: Seit heute ist mein bestürzendes eBook „Die Frankensaga“ bei Amazon erhältlich, und zwar zu einem – im Verhältnis zu den Qualen, die zu seiner Entstehung führten – geradezu lachhaften Preis von 3,82 Euro.

Das Buch enthält sämtliche erschütternden Geschichten über den Franken auf einen Schlag, und genauso fühlt es sich auch an. Außerdem habe ich es noch ein wenig ergänzt, damit niemand sagen kann: Kenn ich doch schon alles.

Die schlechte Nachricht ist: Selbst bei Desinteresse müssen Sie es aus Gutherzig-, Mildtätig- und Mitmenschlichkeit trotzdem kaufen. Nur so nämlich kann ich mir die Therapie leisten, die nach fünf Jahren im Dunstkreis des Franken unabdingbar geworden ist. Außerdem wäre das supernett von Ihnen. Und ich mag nette Menschen.

Lesbar ist „Die Frankensaga“ übrigens auf allen Smartphones und Rechnern, die die kostenlose Kindle-App bzw. das Programm installiert haben, und natürlich auf dem Kindle-Reader selbst.

Bevor Sie in irgendeiner Weise tätig werden, sollten Sie allerdings sicherstellen, dass Sie volljährig sind und einen starken Magen haben.

PS: Gegen eine Paypal-Überweisung
(Preis auf Anfrage) maile ich Ihnen das komplette Ding auch in einem beliebigen Format zu. Hauptsache, ich bin es los.

Nachtrag 17.10.2011: Hier die ersten Rezensionen auf Amazon. Aber was meinen die mit „Macken-Matt“ …?


Nachtrag Januar 2013: Der Preis ist inzwischen auf 3,42 Euro gesunken. Die Inflation!



12 Oktober 2011

Nach Hause ist es am schönsten



Auf dem täglichen Heimweg, in der Louise-Schröder-Straße, liegt eine Kneipe, deren Name mir noch nie zuvor aufgefallen ist.

Vielleicht liegt es daran, dass ich sonst immer auf dem Fahrrad vorüberhusche wie Superman auf dem Weg zur Weltrettung, heute allerdings regenbedingt per pedes unterwegs bin; vielleicht ist sie auch einfach neu, das passiert rund um den Kiez ja ständig.

Jedenfalls heißt die Kneipe „Filmriss“, was ein ausnehmend schöner, weil grundehrlicher Name ist. Damit kündigt der Kneipier bereits per Leuchtschild überm Eingang unverblümt an, welche Konsumbereitschaft er generell und verdammt noch mal von jedem Gast erwartet. Nicht nur aus diesem Grund mied ich den Eintritt sorgsam.

Nur wenige hundert Meter weiter, immer noch auf dem täglichen Heimweg, sind dann jene zu sehen, die Kaschemmen wie den Filmriss in ihrem Leben mindestens einmal zu oft aufgesucht haben. Sie stehen gruppiert vor der Obdachlosenfütterstelle und warten auf das Servicepersonal. Es sind Nonnen.

Noch ein Stückchen weiter auf meinem täglichen Weg nach Hause folgt die Schmuckstraße. Bei ihr war Nomen noch nie Omen, sie müsste eher Schmuddelstraße heißen.

Dort jedenfalls, gegenüber den heruntergekommenen und ständig weiter herunterkommenden Häusern im östlichen Abschnitt, in denen die Ladyboys ihre Zimmer haben, steht heute ein ausnehmend bauchiger Mann mit Schiebermütze und versucht, möglichst unbeteiligt und saumselig auszusehen.

Die Hände in den Taschen, den Schnauzer keck im Wind, schaut er auffällig unauffällig von links nach rechts, von hinten nach vorn – und hofft gewiss, eine der Transen würde sich endlich zeigen, damit er in konspirative Vertragsverhandlungen einsteigen kann.

Doch es ist zu früh, guter Mann, erst mit Einbruch der Dunkelheit kommen die Ladyboys gewöhnlich aus den heruntergekommenen und ständig weiter herunterkommenden Häusern der Schmuckstraße, die eigentlich Schmuddelstraße heißen sollte.

Doch ob der saumselig tuende Schnauzer dafür die Geduld aufbringt, kann ich heute nicht mal heimlich überprüfen: Meine Physiotherapeutin wartet.

PS: Ich habe nicht nur vergessen, ein Schmuckstraßenfoto anzufertigen, sondern nicht mal ein altes im Bestand. Deshalb heute ein (farblich nicht mal ganz unpassendes) aus der direkt benachbarten Talstraße.



10 Oktober 2011

09 Oktober 2011

Ich bin unzumutbar



Na, das ist mal gar keine schlechte Samstagsofferte der generell sehr empfehlenswerten Kaffeerösterei Torrefaktum in der Bahrenfelder Straße im schönen Altona: ein Caffé Latte samt Cookie für kundenfreundliche drei Euro.

Für einen Süßschnabel wie mich klingt das so überzeugend wie ein Pferdekopf im Bett, allerdings mit einer kleinen, doch wichtigen Einschränkung: Milch im Kaffee ist mir ähnlich lieb wie ein Knilch im Separée, ein Pilz im Pils, ein Gegentor in der Nachspielzeit … na ja, Sie haben bestimmt längst verstanden, was ich meine.

Deshalb ersuche ich den Mann hinterm Tresen um die ersatzweise Lieferung eines doppelten Espressos zum Cookie. Diese Bitte aber fällt zu meiner Überraschung bei ihm nicht gerade auf fruchtbaren Boden. Das 3-Euro-Angebot, erklärt er mir, umfasse eine feste Fügung, nämlich ausschließlich Caffé Latte mit Cookie.

Aber, erläutere ich ihm nach einem Blick auf die Preisllste, der Doppio sei doch sogar 50 Cent billiger als der Caffé Latte. Wenn er also die von mir modifizierte Variante servieren würde, erhöhte das seinen Gewinn, und er hätte mich dabei nicht mal übers Ohr gehauen, denn ich wollte es ja nicht anders.

Der Torrefaktummann aber ist keineswegs überzeugt von meinen Argumenten. Er mault und hadert, er grummelt und murrt – um sich am Ende dann doch noch zu erbarmen und über die eigentliche Unzumutbarkeit meines Wunsches, ihm einen halben Euro zu schenken, huldvoll hinwegzusehen.

Manchmal verstehe ich die deutsche Dienstleistungsgesellschaft immer noch nicht, und zwar auf eine durchaus ähnliche Weise, wie ich den Text des abgebildeten Graffitos im alten Real-Parkhaus nicht verstehe.

Aber ich arbeite weiter an beidem – unermüdlich, wie es nun mal meine Art ist.

08 Oktober 2011

Pareidolie (30 + 31): Augen-Blicke





Der Kopfhörer hat den Silberblick, und die ausgemusterte Digicam schreit, weil sie anscheinend gerade ein Auge verloren hat wie Schwarzenegger in „Terminator 2“.

Und damit auf ins Wochenende.

PS: Viele weitere und bessere Bildbeispiele gibt es bei der Pareidolie-Tante.

07 Oktober 2011

Wo ist mein Kindle?



Mein Kindle, endlich wurde er geliefert!

Aufgeregt eile ich mit dem DHL-Abholzettel zur Nachbarin, die ihn laut Benachrichtigung entgegengenommen haben soll – doch die ist ehrlich überrascht und weiß von nichts.

Anruf bei DHL. Nach minutenlangem Dialog mit einer Computerstimme, der ich in blödsinnigem Roboterstakkato Zahlen, Jas und Neins vorsagen muss, lande ich endlich bei einem menschlichen Wesen, dem ich mein Kindlechaos schildern kann.

Wie sich rasch herausstellt, hat man bei DHL kurioserweise sogar mich persönlich als Abnehmer des Päckchens dokumentiert, nicht etwa die Nachbarin. Mein Einwand, ich sei zum fraglichen Zeitpunkt brav meinem Brotjob im Büro nachgegangen, was notwendig sei, da ich mir andernfalls keinen Kindle leisten könne, generiert am anderen Ende blanke Ratlosigkeit.

Die Callcenterdame ruft die Kopie der Empfängerunterschrift auf. „Haben Sie jemand im Haus, dessen Name mit Ga beginnt?“, fragt sie. „HABEN WIR JEMAND IM HAUS, DESSEN NAME MIT GA BEGINNT?“, rufe ich die Frage weiter in Richtung Ms. Columbo. Nein, niemand mit Ga.

„Ist es vielleicht ein Pa?“, frage ich die DHL-Dame. „Wir haben jemand mit Pa im Haus.“ Nein, keinesfalls, kopfschüttelt sie.

Wo also ist mein Kindle, DHL?! Man verspricht, sich zu kümmern, man will den Auslieferer befragen, wenn nicht gar zur Rede stellen.

Und wenn vielleicht doch die Nachbarin …?

Nein, ausgeschlossen; sag’s nicht, denk’s nicht mal.

Bestimmt hat DHL Mist gebaut. Vielleicht war es ein muffeliger Zusteller, frustriert von Leuten, die tagein, tagaus die Frechheit besitzen, nicht zu Hause zu sein, wenn er klingelt – einer, der Zettel hinterlässt wie den oben dokumentierten, den mir unlängst eine amüsierte Kollegin mailte.

Das Interessante an dieser DHL-Botschaft ist nicht nur, dass hier ein Dienstleister mal den Spieß umdreht und offensiv den Kunden anblafft, sondern die Tatsache, dass er mitten im Blaffen vom Duzen ins Siezen übergeht. „Sei doch endlich da, wenn Sie so viel bestellen“: Das ist ein Satz von vielschichtigem Reiz, auch und gerade semantisch.

Aber wo ist mein Kindle, verdammt?

Fortsetzung folgt, und am Ende wird alles gut.



Nachtrag 16:50 Uhr: Alles wurde gut. Der DHL-Wuselkopf hatte einen falschen Namen auf die Benachrichtigungskarte geschrieben, aber inzwischen ist die richtige Person identifiziert. Seit heute Mittag kindle ich schon.

05 Oktober 2011

Der Marktwert meines iPhones



Arglos hatte ich mehrere Tafeln Schokolade aufs Laufband gelegt, doch als ich zahlen will, stellt sich heraus, dass meine Geldbörse zu Hause herumliegt. Ursache: ein wetterbedingter Hosenwechsel.

Der Kassierer ist allerdings keineswegs bestürzt ob des entgangenen Umsatzes, sondern sieht die Sache pragmatisch. „Haben Sie ein iPhone?“, fragt er. Ja, antworte ich vorsichtig. „Ich gebe Ihnen“, juchzt er vergnügt, „fünf Tafeln dafür!“

Und so was von einem Pennyverkäufer! Während der Franke sich wieder mal auf die frühstücksfrikadellengestärkten Schenkel klopft vor Schadenfreude, trolle ich mich mit säuerlichem Grinsen.

Mitsamt iPhone, immerhin.

04 Oktober 2011

Pareidolie (29)



Mit dieser gelungenen Helmmimikry versuchte neulich die Front eines Motorrollers zu punkten, der auf dem Gehweg vor unserem Haus geparkt war.

Man sollte der interessanten These einmal nachgehen, ob es Rollern und ihren Fahrern genauso geht wie Hund und Herrchen und sie sich ebenfalls über die Jahre immer ähnlicher werden.

Leider tauchte der Besitzer während meiner kurzen Fotosession nicht auf, sonst hätte ich das schon mal am Einzelfall überprüfen können.

PS: Viele weitere und bessere Bildbeispiele gibt es bei der Pareidolie-Tante.
Wer selbst welche entdeckt, möge die Fotodokumente bitte an sie mailen, nicht an mich.

03 Oktober 2011

Neues unter der Sonne



Dieser Sommer mitten im Herbst macht alle Leute kirre. Gestern auf dem Flohmarkt kramte ich eine CD aus einer Kiste und sagte zum Standbesitzer: „Okay, die nehm ich für zwei.“

Er antwortete: „Komm, gib mir einen.“

Und meinte das ernst.

Noch nie erlebt, so was – genauso wenig wie das Frisbeespielen in der Ostsee an einem 2. Oktober, freundlich bewacht von still im Himmel stehenden Drachen.

Man erlebt halt auch im gesetzteren Alter immer wieder neue Dinge, und so lange es solche sind wie an diesem Wochenende, werde ich den Teufel tun und das anprangern.

01 Oktober 2011

Auf der Suche nach Frau Brusch

Statt mit Heidekartoffel- oder Schwartemagensonderangeboten begrüßt unsere Edekafiliale in der Paul-Roosen-Straße uns heute mit einer sachfremden Information, und das schon auf dem Bürgersteig vorm Laden.

Frau Brusch also ist seit einem Vierteljahrhundert bei Edeka beschäftigt, das ist außergewöhnlich schön. Wir kaufen hier zwar auch schon seit 15 Jahren ein, aber wer ist noch mal Frau Brusch?

Ich versuche es ja generell zu vermeiden, Frauen auf die Brüste zu starren, und so weit ich mich erinnere, hat Edeka genau dort seinen Mitarbeiterinnen die Namensschilder aufgepappt. Deshalb kenne ich die Edekagrazien zwar alle halsaufwärts, aber nicht namentlich.

Drinnen schiele ich gleichwohl verstohlen bei allen auf die fragliche Region, um im Bedarfsfall Frau Brusch herzlich gratulieren zu können. Doch ich sehe sie nicht. Stattdessen überall aufgeräumte junge Edekanerinnen, die giggelnd Jubiläumsluftballons aufblasen, alles zu Ehren von Frau Brusch.

Ich erwäge, spaßeshalber eine von ihnen zu fragen, ob sie vielleicht Frau Brusch sei, doch Ms. Columbo hält das für zu riskant. Dabei gelänge es mir mit meinem kiezweit weltberühmten Begleitlächeln ganz gewiss, das Scherzhafte meiner Frage vorauseilend mitzutransportieren, so dass die Gefahr einer beleidigten Verkäuferin, auf deren Wohlwollen wir noch lange angewiesen sein werden, möglichst minimiert wird. Doch mir fehlt letztlich der Mumm.

Bis zur Kasse vermögen wir nirgends die Jubilarin zu entdecken – allerdings sitzt dort eine grauhaarige Dame, der man spontan eine hochgradige Frau-Brusch-Haftigkeit zubilligen muss. Ein verstohlener Blick auf ihr Namensschild offenbart indes: Auch sie ist es nicht.

Wir verlassen den Laden, ohne in unseren Ermittlungen entscheidend weitergekommen zu sein. Womöglich arbeitet Frau Brusch gar nicht im Kundenbereich, sondern im Lager.

Herzlichen Glückwunsch jedenfalls! Und Hochachtung – schließlich gibt es auf dem Kiez traditionell nur wenige Frauenberufe, in denen man 25 Jahre lang durchhält.