Wenn man schon mal was braucht

Ich benötige eine kleine Plastikbürste, aus Gründen. Sie, die Gründe, näher zu erläutern, ist hier allerdings nicht der richtige Ort. Und zwar aus Gründen.
Jedenfalls handelt es sich bei der kleinen Plastikbürste, die mir sehr konkret vorschwebt, um Pfennigware, die man am besten im Ramsch kauft, und wo kann man das besser als bei Woolworth in der Großen Bergstraße?
Ich hätte diesen gemeinhin ungastlichen Ort gleichwohl niemals gezielt angesteuert, doch als ich versonnen dort vorüberzuradeln mich soeben anschicke, sticht mir das Totalausverkaufsschild ins Auge. Die Filiale wird also dichtgemacht; ein kleiner Verlust für die Menschheit und ein ebenso kleiner für Altona. Also rein da, ehe die letzte Plastikbürste verkauft ist.
Wie sich schnell herausstellt, befinden wir uns bei Woolworth bereits auf der Zielgerade des Ausverkaufs. Die Regale: traurige Karikaturen ihrer selbst. Das Publikum: fast durchweg weiblich, beleibt und mit kapitalem Migrationshintergrund ausgestattet. Es wühlt sich gleichmütig durch die Reste der reduzierten Reste – also Grablampen, Hosen für einsneunundneunzig (in Worten: EINSNEUNUNDNEUNZIG!) und Hannah-Montana-Taschen.
Kleine Plastikbürsten aber sind, wie ich nach längerem Durchstreifen der tristen Gänge ebenso erstaunt wie mild empört erkennen muss, längst ausverkauft, wahrscheinlich aus Gründen. So beschließe ich ersatzweise den überaus denkwürdigen Ramschladen ausgangs der Reeperbahn aufzusuchen, der seit mindestens acht Monaten einen Ausverkauf behauptet, ihn zumindest im Schaufenster lockvogelartig bewirbt.
Hier, zwischen Handyschutzhüllen aus den 90ern und Einweggeschirr, keine Plastikbürste zu bekommen, das ist ungefähr so wahrscheinlich wie die Chance, dass die Table-Dance-Damen im Dollhouse samstagsabends nicht blankziehen.
Zumindest eins davon ist allerdings trotzdem wahrgeworden – und nein, im Dollhouse war ich am Wochenende nicht. Aus Gründen.
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