07 November 2011

Wie macht sich die „Frankensaga“?



Seit einigen Monaten ist jedermann der Verkauf selbstproduzierter eBooks über Amazon möglich. Ein großer Schritt für Amateure, ein möglicherweise gefährlicher für die Verlage – denn „die Einzigen, die im Verlagswesen noch nötig sind", glaubt Amazon, „sind der Autor und der Leser.“

Wie die private Produktion und Vermarktung eines eBooks funktioniert, welche Tücken man kennen und welche Tricks man anwenden sollte, hat Wolfgang Tischer in aller Ausführlichkeit geschildert – ein Beitrag, der übrigens stetig fortgeschrieben wird und nicht nur deshalb für eBook-Novizen hochinteressant bleibt. Dem möchte ich hier keine Konkurrenz machen, sondern nur ein kurzes Zwischenfazit zur „Frankensaga“ ziehen, die seit dem 10. Oktober bei Amazon erhältlich ist.

Mein sportliches Ziel war es, damit den 99 Euro teuren Kauf eines Kindle-Lesegerätes zu refinanzieren – und das funktionierte gut: Nach knapp zwei Wochen waren 45 Exemplare der „Frankensaga“ verkauft und der Kindle damit amortisiert.

Natürlich ist das – in absoluten Zahlen gerechnet – sehr wenig. Dennoch rangierte das Buch damit zeitweise unter den Top 60 der „Kindle-ebooks bezahlt“-Charts, was ein trübes Licht wirft auf die Gesamtverkäufe. Entsprechend ging es auf und ab: Mal rutschte die Frankensaga auf 3998 ab, berappelte sich plötzlich wieder auf 383, und zum Zeitpunkt dieser Niederschrift ruft sie von Rang 4.065 aus um Hilfe. (Die Sie ihr übrigens gerne gewähren dürfen.)

Wie auch immer: Auf dem Tantiemenkonto schlugen sich die Verkäufe der ersten beiden Wochen mit über 100 Euro nieder, natürlich vor Steuern. Dabei half sicherlich die Verlinkung in Udo Vetters lawblog; auch hier auf der Rückseite der Reeperbahn und auf Twitter habe ich immer mal wieder ein wenig Werbung dafür gemacht.

Die Verkaufsdynamik ließ nach den ersten zwei Wochen deutlich nach, doch Tage ohne jede Transaktion sind noch immer selten. Vor Weihnachten – das ist das nächste sportliche Ziel – soll die „Frankensaga“ sich dreistellig verkauft haben. Und dann dürfte auch bereits die erste Überweisung von Amazon eingetroffen sein, denn Erlöse werden erst zwei Monate, nachdem sie anfielen, ausbezahlt.

Seitdem das Buch bei Amazon online gegangen ist, läuft jedenfalls alles automatisch und – wie man loben muss – reibungslos und rund. Was ich bedauerlich finde: Anders als beim Verkauf von physischen Produkten wie Büchern oder CDs erhalte ich als eBook-Verkäufer von Amazon keine Information darüber, wer das elektronische Buch erworben hat.

Das macht die Transaktion unschön anonym – wie in der Buchhandlung eben. Doch bei Käufen im Internet treten die Handelspartner normalerweise in irgendeiner Form in Kontakt, man weiß, an wen man sich bei Problemen wenden muss, man kann auch mal nachfragen; all das ist nicht der Fall, wenn es um eBooks geht.

Nur wenn es rezensiert wird, erfahre ich etwas über die netten Menschen, die es erworben haben, und immerhin haben sich bisher zwei meiner Neugier erbarmt – danke vielmals! Doch wer sind die anderen? Was denken sie über ihren Kauf? Keine Ahnung.

In einem eigenen Amazon-Bereich kann ich lediglich eine täglich aktualisierte Statistik abrufen, die mich über die Zahl der Verkäufe und den Tantiemenstand informiert. Aber auch das empfinde ich als sehr erfreulich – und es steigert den Anreiz, über weitere Ideen nachzudenken, die eBook-fähig sein könnten. Denn in erster Linie macht es Spaß und ist sehr befriedigend, so etwas mit vergleichsweise wenig Aufwand selbst auf die Beine zu stellen und urplötzlich Inhaber einer ASIN-Nummer zu sein. Genauer gesagt: der ASIN-Nummer B005US3P5O.

Diese psychologische Komponente hat Amazon erkannt und nutzt sie aus – im Gegensatz zu den Verlagen, die wahrscheinlich zu viel Angst um ihre Corporate Identity haben, als dass sie sich mit der Schaffung eigener Onlineplattformen, die Autoren eine Selbstvermarktung erlaubten, dem Risiko einer Verwässerung aussetzen. Wir werden sehen, wohin das führt.

Mein Fazit jedenfalls ist positiv. Nur die Erlöse im nordamerikanischen Raum sind suboptimal. Lediglich ein einziges Exemplar der „Frankensaga“ wurde bisher über Amazon.com verkauft. Gesamterlös: 4,44 Dollar. Vor Steuern.

Kommentare:

  1. Anonym08:58

    Hübscher Teppich.

    Saludos, Stefan

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  2. Anonym15:22

    Ich bin eindeutig zu alt, um Bücher (oder anderes Zeug) im Netz zu bestellen, ich hätte auch nicht die Nerven für diesen Umstandskram. Und ich lehne es grundsätzlich ab. Wer auf dem Land wohnt, findet es vielleicht toll, wenn der Paketbote eine Kiste mit in einer kalten Winternacht selbstbestellten Büchern beim Nachbarn abgibt, aber in der Großstadt ist das höchst überflüssig. Ganz abgesehen von der Umständlichkeit der Bezahlung und Abwicklung.

    Seit genau 40 Jahren kaufe ich jetzt meine Bücher regelmäßig in der Buchhandlung. Ware auf den Tisch, Geld auf den Tisch, fertig! Einfacher und besser geht es nicht. Man kauft auch nicht die Katze im Sack. Ich gehe davon aus, daß es Verlage noch lange gibt.

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  3. Anonym18:09

    Und ich dachte immer, drei Mausklicks wären einfacher als extra in den Buchladen zu fahren (und dort wohlmöglich umsonst hingefahren zu sein, weil das gewünschte Buch nicht vorrätig ist). Jedenfalls dauert der Einkauf z. B. bei Amazon rund eine Minute.

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  4. Hab's gern gelesen!

    An dieser Stelle nochmal Dankeschön für ein paar schöne Gute-Nacht-Geschichten.

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  5. Anonym21:11

    +1 ;-)

    Bin mal gespannt.

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  6. Das ist das schönste Kompliment, das Sie mir machen konnten, danke!

    Anonym 15:22: Mein Buch gibt es nur als eBook, von daher werden Sie in der Buchhandlung wohl keinen Erfolg haben. Und wenn, dann möchte ich gerne darüber informiert werden.

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  7. Anonym 21:11: Danke vielmals! Eine Rezension wäre zudem zauberhauft.

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  8. Anonym: Denkfaulheit ist keine Frage des Alters, sondern nur der Leistungsfähigkeit des Hirns. Bei den meisten Menschen wird der Impuls, Neues generell abzulehnen, zwar mit dem Alter stärker, aber es ist eben nicht nur das Alter allein.

    Neugierde, Interesse an Veränderung – bei Kindern ist es völlig normal, bei Erwachsenen muß jeder an sich arbeiten. Aber es kann auch sein, daß einem dazu einfach die Fähigkeiten fehlen.

    Und das ist auch überhaupt nicht schlimm. Denn Sie haben recht: Buchhandlungen wird es sicher noch länger geben.

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  9. Anonym14:08

    Ich kaufe keine Ebooks, wie sollte ich so was auch lesen? Es gibt ja genug gedruckte Bücher.

    Es ist übrigens ein überaus interessanter Einblick in die Gedankenwelt von (sollte ich jetzt schreiben fanatischen?) Internetnutzern, die ernstlich behaupten, ein Einkauf im Netz dauere eine Minute. Muß man das noch kommentieren??

    Ein "Kauf" ist für mich immer etwas, bei dem der Erhalt der Ware integraler Bestandteil ist. Diese ganzen Internetbuchhandelramschgeschäfte bieten ja mitnichten hauptsächlich Ebooks an, sondern in erster Linie Gedrucktes. Da beginnt doch das Drama erst mit der Lieferung (Stichwort z. B. Post)!

    Wer in der Großstadt wohnt wie ich, hatte noch nie Schwierigkeiten in der Buchhandlung. Ich komme ja ohnehin auf dem Nachhauseweg da vorbei. Ich kann auch vom Büro aus dort anrufen und fragen, ob sie Buch X oder Y vorrätig haben (was sehr oft der Fall ist). Wozu sich nach etwas Neuem umsehen, wenn sich das Alte jahrzehntelang bewährt hat?!?

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  10. Tja, auch die Postkutsche hatte sich ewig lang bewährt, und plötzlich sagte man sich: Hey, dieses neumodische Automobil, das könnte man doch mal ausprobieren …

    Im Ernst: Beide Formen, fremde Gedanken zu konsumieren, haben ihre Vor- und Nachteile. Zu den Vorteilen eines elektronischen Lesegerätes gehört es zum Beispiel, eine große Auswahl an Lesestoff dabei haben zu können. Oder mit seiner Hilfe ein Buch binnen Sekunden verfügbar zu haben, wenn Sie plötzlich unbändige Lust darauf verspüren.

    Aber letztlich ist es doch völlig egal, wie Sie ein Buch lesen – entscheidend ist nur, ob Sie es mögen. Und ob es gut ist. Einen Antagonismus zwischen den verschiedenen Darreichungsformen sehe ich überhaupt nicht, genauso wenig wie den zwischen Kino und Blu-ray. Beides wird gebraucht.

    Allerdings ist es unzweifelhaft für Autoren ohne Verlag viel einfacher und vor allem kostengünstiger, ein eBook zu produzieren als ein gedrucktes Buch.

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  11. Anonym14:48

    Das ganze ist aber nur machbar, solange man seine eigene Zeit nicht in die Rechnung einbezieht. Klar, der eine oder andere zählt es zum reinen Vergnügen, in der Buchhandlung nach dem Buch zu suchen, oder mit der Buchhandlung zu telefonieren oder zu warten, bis die vier Leute vor einem bezahlt haben. Ich nicht und wenn ich das + den Abstecher (wenn's denn einer ist) mal einrechne und das als Verlust produktiver Arbeitszeit ansetze, geht mir da locker ne halbe Stunde flöten, was das Buch dann in der Gesamtrechnung schnell mal 30 Euro teurer macht. Bei Amazon bestelle ich innerhalb von wenigen Minuten und halte nach 24 Stunden ein Päkchen in der Hand bzw hole es mir, falls ich nicht Zuhause war, vom Nachbarn ab. Das sind inklusive ein paar Sätzen mit den Nachbarn keine 5 Minuten.

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  12. Ich hoff nur, daß ich im Alter nicht auch so werde. Ehrlich.

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  13. Das möchte ich mir auch verbitten, gerade von Ihnen.

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  14. Wenigstens kann ich mich an Ihnen orientieren. Sie haben ja sogar noch dieses Ie-Buk hinbekommen. (und ich sammele auch schon Material... das MUSS ich Ihnen doch nachmachen können...) ;)

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  15. Und raten Sie mal, wer der erste überhaupt sein wird, der es Ihnen abkauft? Genau.

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  16. Ich habe leider kein Kindle, den man wohl benötigt und leider auch keinen Amazon-Account. Letzteren werde ich mir auch nicht zulegen, nicht mal Ihrem Ebook zuliebe. Sorry...

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  17. Wenn’s nur daran liegt – da habe ich eine Lösung für Sie: eine PDF-Datei per Mail! Oder Word oder was auch immer. Sie wissen ja, wo Sie mich finden … ;)

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  18. Anonym22:31

    Hihihi.. Habs gekauft und das in zwei Sekunden!

    Musste weder mein Pferd satteln, noch auf die morgige Postkutsche warten und auch nicht darauf, dass dieser komische Kolumbus mal irgendwann diesen seltsamen Kontinent entdeckt, auf dem dannirgendwann einmal dieses komische Kindle-Teil erfunden wird.
    Was ein Glück, dass mir meine Urenkel diese neuartige Rechenmaschine vererbt haben, auf der man in dieses luftgefüllte Dingens, genannt "Internes Netz" oder so, hineinsteigen kann. Und ganz ohne diese dampfgefüllten und irrsinnig gefährlichen Luftschiffe dieser wahnsinnigen Gebrüder Montgolfiere!
    Als hätte das Zukunft - in der Luft herumfliegen! Wenn DAS Zukunft hat, können Sie mich ab jetzt Lindberg nennen! Oder Airbus!

    So. Und jetzt les ich die Frankensaga!
    Wobei ich nicht sicher bin, ob das Zukunft hat - Lesen.
    Ich fands eigentlich besser, als nur Auserwählte diese hohe Kunst beherrschten und nicht Hinz und Kunz.. Und dann auf so schräge Ideen kamen, wie: "Die Erde dreht sich um die Sonne!
    Lächerlich!
    Dieser Gutenberg! Mit seiner komischen Druckmaschine... Man wird ihn noch verspotten.
    Okay, ich schweife ab..
    Aber man kann sich nicht genug aufregen über diese ganzen verrückten Erfinder und Weltverbesserer. Finde ich!

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  19. Oops, der vorige Kommentar - das war ich natürlich!
    Ich sags ja, diese neumodischen Maschinen!
    Mit nem guten, alten Brief und Siegellack wäre das nicht passiert!

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  20. Oh, ich hatte Ihnen das eBook doch unter den Laubhaufen rechts gelegt, da wo der tote Fasan … na ja, lassen wir das. Danke jedenfalls! Vielmals!

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  21. Das war ein Fasan? Dachte, es wäre ein überfahrener Igel gewesen? Naja, egal. Lecker wars..

    Na, jetzt aber. Danken Sie mir nicht!
    Ich muss danken..
    Es ist total lustig.. Würde das ja mal gern ausprobieren mit den elektrostatisch aufgeladenen Jogginghosen. Aber die sind ja nur für Männer..

    :-)

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  22. Ich würde Ihnen meine sofort leihen, aber ich krieg sie nicht mehr ausgezogen …

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  23. Außerdem würde die weltweite Stromversorgung zusammenbrechen, wenn Sie das täten...
    Und das so kurz vor Weihnachten!

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  24. … Vielleicht wäre ich auch selbst plötzlich nicht mehr so elektrisierend. Kurz: Ich behielte sie auch an, selbst wenn ich sie ausziehen könnte.

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  25. Seit nunmehr über zwei Jahren lasse ich meine geistigen Produkte über Amazon verkaufen. Ich kann die obigen Gedanken absolut nachvollziehen und bestätige sie sogar.

    Was die Ausgabe als eBook angeht, ich verkaufe meine Bücher ja sowohl als Druckwerk, als auch elektronisch, so war ich stolz wie ein Oskar, als ich das erste Buch über den i-store abgerechnet bekam. Wer auch immer das getan hat, er hat mich ins neue elektronische Buchzeitalter katapultiert. Meine Dank dafür hat er anonym auf jeden Fall zu bekommen.

    Was den Ranking-Wettlauf bei Amazon angeht, so ist das unter Autoren etwas, das Neulinge völlig wuschig macht. Und mir inzwischen ebenso drecksegal ist, wie die Anzahl der angeblich auf Lager befindlichen Produkte.

    Amazon ist zwar nicht der Nabel der Welt, aber immerhin mein Hauptverkäufer. Und da wünsche ich der Frankensaga viel Erfolg für den Schritt ins Dreistellige. Übrigens reden die wenigsten Autoren von ihren Verkaufszahlen. Manchen ist das wohl peinlich.

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  26. ein Kauf kam durch meinen Kindle zustande. Aber keine Angst, ich habe ihn dafür gescholten und das Wifi weggenommen.

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